
- Gastbeitrag von X1000Hamburg
An Bord des Frachters, der Anfang Mai im Hamburger Hafen in Brand geraten war, hat sich radioaktives Material befunden. Nach Recherchen von NDR 90,3 und dem Hamburg Journal des NDR Fernsehens standen die Behälter mit rund 20 Tonnen der spaltbaren Substanzen direkt neben dem Brandherd.
“Hamburg ist nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt”
Uran-Hexafluorid und anderes radioaktives spaltbares Material waren auf dem Frachter “Altlantic Cartier”, als dieser am 1. Mai am O’Swaldkai unweit der Hafencity in Flammen aufging. Das belegt die Gefahrgutliste, die dem NDR vorliegt. Besonders brisant dabei: Direkt nebenan in der Hafencity wurde der Eröffnungsgottesdienst des Evangelischen Kirchentages gefeiert. “Hamburg ist nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt”, sagte Anjes Tjarks, hafenpolitischer Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. Er hatte mit einer Kleinen Anfrage an den Senat herausgefunden, dass der Frachter radioaktives Material geladen hatte.
Hochgiftige Substanz
Uran-Hexafluorid wird unter anderem zur Herstellung von atomaren Brennstäben verwendet. Die Substanz ist hochgiftig, hochkontaminiertes Gebiet gilt für lange Zeit als unbewohnbar. An Bord des brennenden Frachters waren auch rund 180 Tonnen leicht entzündliches Ethanol und mehrere Tonnen Explosivstoffe, darunter Teile für Munition. Während des Feuers sind nach Angaben des Senats keine Gefahrstoffe ausgetreten. Die Container in der Nähe des Brandherdes wurden noch während der Löscharbeiten geborgen und an Land gebracht.
Mehr als 200 Feuerwehrleute im Einsatz
Das Feuer war auf einem Deck der “Atlantic Cartier” ausgebrochen, auf dem etwa 70 Neuwagen standen. Mehr als 200 Feuerwehrleute waren zeitweise im Einsatz, um den Brand auf dem 276 Meter langen und 32 Meter breiten Frachter zu löschen. Mithilfe von drei Schleppern und zwei Löschbooten kühlten sie die Außenhaut des Schiffes. Um den Brand an Bord löschen zu können, mussten die Feuerwehrleute Teile der Fracht entladen.
- War auch Uranhexafluorid unter den Gefahrstoffen auf der brennenden “Atlantic Cartier”?
Systemoppositionelle Atomkraft Nein Danke Gruppe (SAND), Hamburg
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
Pressemitteilung
Atomkraftgegner_innen in Sorge: War auch Uranhexafluorid unter den
Gefahrstoffen auf der brennenden „Atlantic Cartier“?
Reederei und Schiff sind für atomare Frachten bekannt
(Hamburg, Gronau, Münster, 07.05.2013). Nach dem verheerenden Schiffsbrand
auf der „Atlantic Cartier“ im Hamburger Hafen am 1. Mai erwarten die
Münsterländer Anti-Atomkraft-Initiativen, die Hamburger Systemoppositionelle
Atomkraft Nein Danke Gruppe (SAND) und der Bundesverband Bürgerinitiativen
Umweltschutz (BBU) Auskunft von der Reederei und den Behörden, ob auch
diesmal radioaktive Fracht an Bord war. In den Medien war von „mit
Gefahrstoffen beladenen Containern“ die Rede. Die Reederei „Atlantic
Container Line“, der das Frachtschiff gehört, ist bekannt für die Transporte
von Uranhexafluorid, Uranoxid und Brennelementen aus und in die USA über den
Hafen von Hamburg. Auch das nun verunglückte Schiff wurde laut einer
Auskunft des Hamburger Senats bereits häufig für solche Transporte
eingesetzt. Absender des im Hamburger Hafen umgeschlagenen angereicherten
Uranhexafluorids ist in der Regel die Urananreicherungsanlage im
münsterländischen Gronau. Ziel sind drei Brennelemente-Fabriken in den USA.
Uranhexafluorid darf auf keinen Fall mit Wasser in Berührung kommen, da
sonst die stark ätzende und tödliche Flusssäure entsteht. Das würde die
Medienberichte erklären, warum erst einige Container entladen werden
mussten, bevor mit den Löscharbeiten begonnen wurde. Der Vorfall zeigt nach
Ansicht der Anti-Atomkraft-Organisationen deutlich, dass die Gefahren nicht
nur von den Atomanlagen, sondern auch von den damit verbundenen Transporten
ausgehen. „Selbst wenn die Atomkraftwerke irgendwann alle abgestellt sind,
werden die Uranhexafluoridtransporte über den Hamburger Hafen weitergehen.
Die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelemente-Fabrik in
Lingen, die für den internationalen Markt produzieren, sind vom
Ausstiegsbeschluss gar nicht erfasst“, so Irene Thesing vom Aktionsbündnis
Münsterland gegen Atomanlagen. Damit besteht auch weiterhin die Gefahr von
schweren Unfällen bei den Atom-Transporten.
Die Atomkraftgegner_innen fordern für den aktuellen Fall Auskunft über die
Beladung der „Atlantic Cartier“, die Entwidmung der Häfen für Atomtransporte
und generell einen Stopp aller Atomtransporte und die Schließung der
Gronauer Uranfabrik, der Brennelemente-Fabrik in Lingen und aller
Atomanlagen.
Informationen zu den Atomtransporten unter www.nadir.org/sand. Speziell zur
Reederei ACL unter Atomtransporte-Hamburg:
http://www.nadir.org/nadir/initiativ/sand/SAND-Dateien/Atomtransporte_Hamburg_Acl.html.
Weitere Informationen unter www.sofa-ms.de
<http://www.sofa-ms.de/> sowie unter www.bbu-online.de
<http://www.bbu-online.de/> .
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